Anton II., Durchlauchtig Hochgeborener Fürst Esterházy de Galántha, Erbgraf von Forchtenstein, gefürsteter Graf von Edelstetten und erblicher Obergespan von Ödenburg, wurde am 27. Dezember 1936 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit im Königreich Ungarn. Nach dem frühen Ableben seines Vaters im Jahr 1944 wurde er bereits mit acht Jahren Erstanwärter auf das fürstliche Familienfideikommiss, das damals rund 180.000 Hektar Grundbesitz in Ungarn und rund 60.000 Hektar in Österreich umfasste.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Besitz in Ungarn entschädigungslos verloren, und die Familie musste 1947 nach Österreich übersiedeln. Er besuchte Jesuitengymnasien in Vorarlberg, Wien und Brüssel, wo er 1955 maturierte, und absolvierte danach ein Studium der Volkswirtschaft und des Ingenieurwesens in Leuven. Fürst Anton II. sprach neben Deutsch und Ungarisch auch fließend
Französisch, Englisch und Flämisch. Berufliche Stationen führten ihn zunächst in die USA und nach Frankreich, wo er unter anderem die Leitung einer Generali-Tochter innehatte. 1965 folgte ein Aufbaustudium am INSEAD in Fontainebleau. Später widmete er sich verstärkt der europäischen Integration und der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung in Osteuropa.
1989 trat er die Nachfolge seines Onkels Paul V. als 13. Fürst Esterházy de Galántha an. 1996 übernahm er die Fürst Esterházy Familienprivatstiftung in Eisenstadt, die von Fürstin Melinda Esterházy (1920–2014) in ihrer Funktion als Testamentsvollstreckerin nach dem Tod ihres Gatten gegründet worden war, um das in Österreich verbliebene Vermögen in der Familientradition zu bewahren und zu verwalten. Unter seiner Führung entstanden im Römersteinbruch St. Margarethen die international vielbeachteten Opernfestspiele. Zugleich setzte er umfangreiche Restaurierungen auf Burg Forchtenstein
in Gang: Die Mauern, die barocke Kapelle und die historische Turmuhr wurden erneuert, neue Schausammlungen wie die „Ahnengalerie“ und „Fürstliches Halali“ eröffnet und die Burg damit zu einem professionell kuratierten Museumsstandort von internationalem Rang entwickelt.
Ab 2002 führten tiefgreifende Änderungen in der Stiftungsführung zu wachsenden Spannungen. Die Zusammenlegung der Familien- und Kulturstiftung im Burgenland unter neuer Leitung sowie die Verdrängung der Familie Esterházy aus der Verantwortung für das jahrhundertealte Familienvermögen empfand Fürst Anton II. als schmerzhaften Bruch mit überlieferten Traditionen. Nach seiner Enthebung aus der Leitung widmete er sich mit großem Einsatz dem ungarischen Familiensitz in Eszterháza, Fertőd, und trug dort mit seiner Präsenz entscheidend dazu bei, den Kulturstandort zu einem Ort von internationalem Rang aufzuwerten.
Anton II. war verheiratet mit Ursula (1941), geborene Koenig, Schwester des Bildhauers Prof. Dr. Fritz Koenig (1924–2017). Ihr Sohn Paul-Anton ist der heutige 14. Fürst Esterházy de Galántha, Paul VI. Anton (1986). Zusammen mit seiner Gattin Fürstin Franziska, geborene von Reutter, hat er zwei Söhne, Erbprinz Miklós (2023) und Prinz László (2025).
Mit Fürst Anton II. verlieren wir nicht nur ein geschätztes Mitglied unserer Familie, sondern auch einen Menschen, der uns durch seine Güte, seine Würde und seine stille Stärke tief geprägt hat. Als Vater, Großvater, Schwiegervater, Onkel, Großonkel und Vetter war er uns allen ein innig Geliebter und ein Halt, dem wir mit Dankbarkeit verbunden bleiben. Sein Leben war getragen von Hingabe, Bescheidenheit und dem Bewusstsein für die Werte und das Erbe seiner Familie, das er mit Weisheit und Menschlichkeit bereicherte.
Nach langer, mit Geduld ertragener Krankheit ist er am 22. September 2025 im Alter von 89 Jahren friedlich von uns gegangen.
Pro Deo, Gloria et Patria.
